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Lesegefahr: Wenn man(n) mehrere gleichzeitig hat

Ganz klar, natürlich ist hier nur von Büchern die Rede! Gleichzeitig enthält dieser Beitrag damit ein Outing: Ja, ich lese mehrere Bücher parallel und das ist auch gut so! Hier erfahrt ihr warum, und welche Bücher das aktuell sind.

Ja, es stimmt. Ich bin derjenige, der mehrere Bücher gleichzeitig braucht. Nicht um unterschiedlich lange Tischbeine auszugleichen, sondern tatsächlich zum Lesen. Denn ganz ohne lesenswerte Bücher in Reichweite fühle ich mich irgendwie merkwürdig.

Noch merkwürdiger an der ganzen Sache ist, dass ich keineswegs ein klassischer Vielleser bin. Aber das merkwürdigste überhaupt ist vermutlich die kunterbunte Zusammenstellung. Werfen wir daher einen Blick auf meinen Nachttisch und meine aktuell gelesenen Bücher:

1. Von Männern, die keine Frauen haben

Haruki Murakami ist einer meiner Lieblingsautoren – nicht erst, seitdem ich selbst nach Japan reisen und somit einige Schauplätze von Murakamis Geschichten „live“ erleben durfte. Vielmehr entflammte meine Liebe aber recht spät – nämlich erst als ich bemerkte, dass er und Hayao Miyazaki (der Regisseur u. a. von „Chihiros Reise ins Zauberland“) keineswegs ein- und dieselbe Person ist. Seither lese ich von ihm abwechselnd einen Roman und eine Kurzgeschichtensammlung – ganz so, wie der Autor angeblich auch zu schreiben pflegt.

Das oben genannte Buch ist übrigens eine Kurzgeschichtensammlung und tatsächlich das erste Murakami-Buch, das trotz überproportional vielen „Bettgeschichten“ noch keine akute Lesegefahr bei mir geweckt hat. (Und das, obwohl mich dieser Titel schon länger magisch angezogen hat – nur ein Schelm fragt sich, warum …)

2. Qualityland

Marc-Uwe Kling ist seit den „Känguru-Chroniken“ für mich eine feste Größe, und spätestens mit „Qualityland“ mauserte er sich zum ernstzunehmenden Schriftsteller. Seine Bühnenerfahrung als „Kleinkünstler“ kommt ihm zugute, wenn er u. a. den Känguru-Part spricht. Und so macht es einfach einen Riesenspaß, ihm zuzuhören. Klar, dass ich mir deshalb auch „Qualityland“ als Hörbuch gönne. (Extra dafür habe ich letztens sogar mein externes CD/DVD-Laufwerk nach Jahren wieder aus dem Schrank geholt und voller Nostalgie an den Computer angestöpselt.)

Für mich ist „Qualityland“ eine konsequente Weiterentwicklung von dem, was wir in den letzten Känguru-Teilen an Gesellschaftskritischem gehört haben – kombiniert mit dem typischen Marc-Uwe-Humor, über den kürzlich Denis Scheck sein Näslein ein Kleinwenig rümpfte. Mich erinnert das Buch an dystopischen Zukunftsvisionen à la „1984“ und „Black Mirror“, aber eben auch an Klings Geschichten vom Asozialen Netzwerk – eine Mischung, die es in sich hat. Denn oft bleibt mir das Lachen im Halse stecken.

3. Muminvaters wildbewegte Jugend

Tove Janssons vierter Teil der zauberhaften Mumins-Buchreihe hat es in sich. Aus meiner Sicht ist das Büchlein deutlich mehr als ein Kinderbuch für 8–11-Jährige mit fantasievollen Geschichten rund um ein friedvolles und unbekümmertes Familienleben voller einzigartig-schräger Charaktere – einschließlich einem Schnüferl, das übrigens eine gewisse Ähnlichkeit mit dem oben genannten Känguru aufweist.

Und wenn ich schon das Lesen dieser kleinen Abenteuer außerordentlich t(r)oll finde, so macht mir das Vorlesen dieser Geschichten erst Recht einen Heidenspaß! (Am liebsten würde ich das auch hier als Podcast tun, wäre da nicht diese leidige Rechteproblematik.)

Wer alle Bücher korrekt nacheinander liest, kann deutlich erkennen, wie die Figuren und vielleicht auch die Leserschaft zunehmend reifer, reflektierender und vielleicht sogar erwachsener werden. Daher freue ich mich auf den sechsten Teil, weil ab dann die Handlung laut Wikipedia  mehr und mehr ins Innere der Figuren verlegt wird – mit ernsthaften Themen wie etwa dem muministischen Umgang mit inneren Zwängen, der Einsamkeit und dem Altern. Wer weiß, vielleicht können wir alle noch etwas daraus lernen …

4. Ensel und Krete – Ein Märchen aus Zamonien

Theoretisch lese ich gerade auch noch diesen Roman vom großartigen Walter Moers, der zudem Schöpfer der aberwitzigen „Käpt’n Blaubär“-Zeichentrickgeschichten aus der „Sendung mit der Maus“ ist. Doch nach den ersten 35 Seiten, die mit ausufernden Fußnoten gespickt sind, befürchte ich, dass es mir mit Moers ganz ähnlich geht wie der geschätzten Kiki:

https://twitter.com/e13Kiki/status/945273299231223808

5. Und irgendein Sachbuch

Aktuell gibt es übrigens noch ein fünftes Buch – theoretisch zumindest. Es handelt sich dabei um ein Sachbuch, also eigentlich um meine Leib-und-Magen-Büchersorte. Doch in dieses Sachbuch habe ich schon derart lange meine Nase nicht mehr hinein gesteckt, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie es heißt und worum es genau geht. (Okay, ich habe mittlerweile nochmal nachgeschaut, aber es ist nun wirklich nicht erwähnenswert.)

Fazit: Paralleles Bücherlesen – Juhu?

Nach diesem kleinen Rundgang durch mein aktuelles Lektüre-Angebot könnte man jetzt so einige Schlüsse ziehen. Etwa ob die Angewohnheit, mehrere Bücher parallel zu lesen, vielleicht daraus resultieren mag, dass manche der auserwählten Bücher offenbar nur mittelscharf lesegefährlich sind? (Mag sein.)

Vielmehr können wir uns durch das Parallellesen aber auch einfach an der Vielfalt erfreuen. Verschiedene Bücher lassen sich auf ganz unterschiedliche Arten genießen – nämlich hörend, lesend oder womöglich sogar vorlesend.

Und schließlich könnte man noch annehmen, das habe vielleicht auch etwas mit der Unlust auf allzu viel Fokus bei den schönen Dingen des Lebens zu tun. (Fokus – auch der mit „c“ – wird ohnehin überbewertet, wie ich finde.)

Im Web wird die Sache mit der Parallelleserei dann doch eher kontrovers diskutiert. Aber wie schaut es bei euch aus: Lest ihr gerne mehrere Bücher parallel und seid ihr wie ich polybibliophil? Oder frönt ihr lieber der Einbuchliebe? Ich freue mich über eure Kommentare.

Dieser Beitrag enthält Amazon-Affiliate-Links auf die vorgestellten Bücher.

In Kategorie: Lesegefahr, Textkritik

Über den Autor

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Als Vermittler zwischen Mensch und Technik verfüge ich über jahrelange berufliche Erfahrung in unterschiedlichen Rollen des agilen Software-Entwicklungsumfelds – als Technischer Redakteur, IT-Trainer und Consultant sowie als freier Autor. Als Dozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen vermittle ich Methoden und Werkzeuge für eine agile Technikredaktion. Als Scrum Master unterstütze und berate ich Software-Entwicklungsteams. Mein Herz schlägt für agile Arbeitsweisen, kollaborative Werkzeuge und Schreibprozesse der nächsten Generation, für Sachtexte und deren Wirkung, aber auch für Sprache – insbesondere wenn's um das Vorlesen geht. Vorsicht, Lesegefahr!

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