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Wie ich versuchte, einen Bücher-Podcast zu machen (und an den Verlagen verzweifelte)

Es schien mir einfach und naheliegend. In meinem Podcast „Vorsicht Lesegefahr!“ wollte ich abwechselnd eigene Buchideen und existierende lustige Bücher vorstellen – meistens Sammelbücher, etwa zu kuriosen Tagebucheinträgen, oder zuletzt über witzige Spam-Mails. Doch jetzt gebe ich entnervt auf. Ein Erfahrungsbericht

Ich lese ein wenig vor und beschere den Hörern und Blog-Lesern einige vergnügliche Augenblicke. Womöglich gefällt ihnen dann das vorgestellte Buch und vielleicht kaufen sie es sogar später. Das war die Grundidee für meinen Podcast – teilweise an die Fernsehsendung „Was liest du?“ angelehnt. Doch zugegeben: Ich bin gescheitert. Meine Geduld ist am Ende, denn der Spaß an der Sache ging spätestens beim Hin und Her der letzten Verwendungsrechte-Anfrage flöten.

Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Mein Podcast wird nicht eingestellt. Es werden darin vorerst lediglich keine „fremden“ Bücher mehr vorgestellt. Ich schreibe hier „fremd“ in Anführungszeichen, weil mir ein schönes Buch nach dem Lesen nicht länger fremd ist, sondern zu einem Teil von mir wird. Die meisten Verlage sehen das allerdings völlig anders. Sie „beschützen“ ihr Buch vor den „Gefahren des Internets“ – darunter offenbar auch vor der Lesegefahr! 🙂

Hintergrundinfos

Fassen wir einmal die Sachlage zusammen:

  1. In meinem Podcast machte ich im Prinzip kostenlos Werbung für Bücher, die mir gefallen, aus Spaß. Alles stets wohlwollend; Kritik gibt’s schließlich anderswo genug.
  2. Das gesamte Projekt ist nicht-kommerziell (d.h. ohne Gewinnabsicht), es gibt nur vereinzelt Affiliate-Links zu Amazon, um bestenfalls die Unkosten zu decken.
  3. Die von mir kontaktierten Autoren waren immer sofort angetan von meiner Podcast-Idee, stellten Rezensionexemplare bereit und vermittelten Ansprechpartner. Sie konnten sich kaum vorstellen, dass mein Anliegen für die Verlage erfahrungsgemäß so eine schwierige Sache sei. Im Gegenteil: Jeder Autor bzw. jede Autorin hat sofort erkannt, dass ich hier Öffentlichkeit für ihr Buch liefere – kostenlos und frei Haus. Und jede Publicity ist schließlich gute Publicity.
  4. Dass das nicht jeder so sieht, merkte ich im Kontakt mit den meisten Verlagen. Vor jeder Buchvorstellung bat ich sie nämlich artig um Erlaubnis. Ich bin also nicht etwa ein böser „Pirat“, der einfach nimmt. Ich hielt mich an die Vorgaben und Einschränkungen der Verlage, auch wenn sie mir noch so wunderlich erschienen.
  5. Alle Verlagsmitarbeiter(innen), mit denen ich deswegen in Kontakt stand, waren – wenn man sie erst einmal erwischte – immerhin stets freundlich und bemüht. Man könnte stellenweise auch „überfordert“ schreiben, weshalb ich teils wochenlang warten musste, bis meine einfache Anfrage möglichst komplex geklärt wurde. Löbliche Ausnahme: der überaus kooperative Herder-Verlag in Freiburg. Herzlichen Dank dafür!

Beispiele

Um zu verdeutlichen, von welchen Einschränkungen die Rede ist, hier einige Fragmente aus meiner Podcast-bezogenen Korrespondenz:

… Begrenzung auf maximal 10 Minuten Lesung …

… 5 Minuten beginnend mit dem Anfang des Werkes …

… nicht-exklusive Genehmigung erfolgt begrenzt auf 2 Jahre …

Was die Genehmigung für die Lesung, den Vortrag anbelangt, wenden Sie sich …

Die Beitragslänge zu beschränken, kann ich ja noch verstehen – nicht dass man quasi das komplette Buch als Hörbuch kostenlos bereitstellt. Aber warum die Grenze bei 10 Minuten oder sogar bei nur 5 Minuten ziehen? In einem Fall durfte ich das Buch nur von Anfang an vorlesen, womit wenigstens nicht die Titelei gemeint war. Kreative Möglichkeiten? Fehlanzeige! Nicht zu vergessen die Beschränkung auf 2 Jahre – dabei vergisst das Internet doch nie?! Klar, kann ich den Beitrag dann offline nehmen – aber so funktioniert das Web nicht, auch wenn die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender im Internet genau diesen Murks betreiben. Und schließlich die Sache mit dem Präzedenzfall des „im Internet Vorlesens“. Auch wenn die Podcast-Rechte vorlagen, galt mein Audio-Beitrag offenbar zusätzlich noch als öffentlicher Vortrag, quasi als Veranstaltung. Oder nicht? Oder doch?

Gedanken

Vor welchen Problemen die klassischen Verlage stehen, wurde an anderen Stellen bestimmt ausführlicher und fundierter berichtet. Die Verlags-Kernkompetenzen (wie Vorfinanzierung, Selektion und Qualitätssicherung, Vertrieb) haben sie allesamt eingebüßt oder wurden durch das Internet obsolet (Stichwort „Crowdfunding“, „Self-Publishing“, „Amazon“). Auch die Buchproduktion erfolgt heute mehr und mehr komplett über Dienstleister: freie Lektoren, Grafiker/Layouter, externes Korrektorat – wenn überhaupt! Und gedruckt/publiziert wird sowieso nicht selbst, von Logistik und Online-Handel ganz zu schweigen. Das vielgerühmte Verlagsmarketing schließlich findet praktisch nicht statt und beschränkt sich in den meisten Fällen auf die Aufnahme in den eigenen Katalog. Das kann ich aus meiner Erfahrung als Sachbuchautor bestätigen.

Im Wesentlichen ist ein Verlag heute also (nur) noch ein Rechte-Verwalter. Das Urheberrecht können sie nicht inne haben, auch wenn die entsprechende Debatte erstaunlicherweise so benannt wurde, denn dieses liegt bei den Autoren. Also bleiben ihnen die Verwertungsrechte, die sie oft genug per „Total Buy-out“-Vertrag von den Urhebern erwerben; in geschätzten 90 Prozent der Fälle übrigens für einen Appel und ein Ei. Diese abgekauften Verwertungsrechte sind quasi der einzige Trumpf, den sie noch in Händen halten. Ihre letzte verbliebene Aufgabe ist offenbar, irgendetwas irgendwie einzuschränken. Eine, wie ich finde, leider sehr sinnlose Aufgabe. Dazu zähle ich auch die vielen per E-Mail oder Telefon geführten Dialoge, die ich mir und meinen Gesprächspartner(innen) gerne geschenkt hätte.

Zur Erinnerung: Es geht hier um die nicht-kommerzielle Nutzung! Dabei frage ich mich: Wäre es besser gewesen, einfach loszulegen und nicht zu fragen? Manche Verlage hätten das wahrscheinlich stillschweigend geduldet. Die meisten hätten es wohl nie mitbekommen. Vermutlich hätte ich aber gelegentlich eine Abmahnung (bzw. eine strafbewehrte Unterlassungserklärung) kassiert. Das wäre wenigstens ein Geschäftsmodell für die Branche, wenn auch kein gutes.

Fazit

In einigen Fällen kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr hinaus. Gäbe es doch nur mehr Verlage wie Herder! Von den anderen wurden teils Messlatten angelegt, die der digitalen Realität einfach nicht gerecht werden. Viele der Beschränkungen sind deshalb wenig nachvollziehbar, wirken auf mich willkürlich. Dabei nehme ich den Verlagen doch nichts weg, sondern im Gegenteil schenke ihnen etwas – und sei es nur mehr Aufmerksamkeit für ihre Bücher. Denn Aufmerksamkeit ist die neue Währung – im Internet und überall sonst. Ihre Autoren wissen das schon. Irgendwelche bizarren Beschränkungen sind hingegen nichts wert, bringen niemandem etwas: weder Geld noch Aufmerksamkeit für irgendwen!

In Zukunft möchte ich mich nicht mehr auf diese Willkür verlassen müssen. Stattdessen werde ich möglichst viele eigene Inhalte im Internet und für alle produzieren, und dabei bestehende Verlagsprodukte sicherheitshalber weitestgehend ignorieren. Interessant, dass ausgerechnet die klassischen Buchverlage mich dazu verleitet haben …

In Kategorie: Blog, Digital Publishing, Podcast

Über den Autor

Veröffentlicht von

Als Vermittler zwischen Mensch und Technik verfüge ich über jahrelange berufliche Erfahrung in unterschiedlichen Rollen des agilen Software-Entwicklungsumfelds – als Technischer Redakteur, IT-Trainer und Consultant sowie als freier Autor. Als Dozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen vermittle ich Methoden und Werkzeuge für eine agile Technikredaktion. Als Scrum Master unterstütze und berate ich Software-Entwicklungsteams. Mein Herz schlägt für agile Arbeitsweisen, kollaborative Werkzeuge und Schreibprozesse der nächsten Generation, für Sachtexte und deren Wirkung, aber auch für Sprache – insbesondere wenn's um das Vorlesen geht. Vorsicht, Lesegefahr!

44 Kommentare

  1. Vertane Chanceseitens der Verlage, wo man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann. Interessant wäre zu wissen, was die betroffenen Autoren zum Verhalten ihrer Verlage sagen würden, Einschub: manchmal sind es auch die Autoren selber, die sich mit diesem komischen Internet schwer tun und die Verlage in so einer Haltung unterstützen. Und wie wäre es mit dem Vorstellen von Büchern der Selfpublisher? Bestimmthätten die mehr Interesse daran

    • Sehr gute Idee, Selfpublishing-Bücher zu nehmen, danke!
      In meinem Fall waren die Autoren offenbar alle internetaffin genug, um die Vorleseidee gut zu finden und zu unterstützen.

      Übrigens ein sehr interessantes Blog hast du da. Kommt gleich in den RSS-Reader. 🙂

  2. Lieber Martin Häberle, wenn Sie möchten, stelle ich Ihnen sehr gerne Bücher von uns zur Verfügung. Unkompliziert. Melden Sie sich einfach, wenn Sie noch nicht komplett die Lust verloren haben. Aber vielleicht haben Sie sich ja auch andere Bücher vorgestellt und unsere passen nicht?
    Schöne Grüße
    Christine Kern

  3. Andrea Albrecht

    Hm! Das wundert mich nun aber sehr. Ich habe mehrere Bücher in Verlagen laufen, und eine Autorenvertragsklausel besagt etwa sinngemäss, dass der Verlag sich verpflichtet, das Werk hinreichend zu bewerben. Oben geschildertes Verhalten dürfte dem wohl kaum entsprechen.
    Kreative Grüße
    Andrea Albrecht

    • „hinreichend“ ist offenbar ein dehnbarer Begriff und bedeutet in vielen Fällen wie beschrieben lediglich die Aufnahme in den (selbstverständlich gedruckten) Katalog. Das kommt bestimmt auch auf den Verlag und das Buch (Genre, Zielgruppe) an. Vielleicht gibt es hier noch mehr „Insider“, die diesbezüglich ihre Erfahrungen beisteuern können?

  4. Axel Regnet

    Hi Martin,

    schade – wenn auch in Deutschland durchaus vorhersehbar, dass das so gelaufen ist. Neben dem Selfpublisher-Vorschlag (gute Idee) kannst Du dir natürlich auch überlegen, ob du dich in Zukunft nicht auf gemeinfreie Klassiker (Stichwort „Projekt Gutenberg“ usw.) kaprizieren möchtest…
    Ich könnte mir Dich gut in Strumpfhosen vorstellen, wie du Walther von der Vogelweide rezitierst…
    Auch da gibt es übrigens genügend Werke, die heute noch relevant sein können, finde ich.

  5. Das ist ja echt unglaublich. Als ob die gesamte Buchbranche nicht auf jede Hilfe angewiesen wäre, die sie kriegen kann. Ich bin mir allerdings sicher, dass es durchaus kooperative Verlage gibt und Verlage, die neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind. Nur finden muss man sie halt – sehr lästig… Viel Erfolg weiterhin!

  6. Wenn ich den Artikel Revue passieren lasse, ist es kein Wunder, dass inzwischen die Amazon Charts von Selfpublishern überschwemmt werden.

    Der Bericht löst bei mir nur unverständliches Kopfschütteln aus. Denn im Gegensatz zu den Verlagen weiß ich gute Werbemaßnahmen zu schätzen und bin über nahezu jegliche Unterstützung dankbar. Deswegen stelle ich auch immer gerne mein Buch – vorrangig im EBook-Format – zur Verfügung.

    Viel Glück noch bei der weiteren Verwirklichung der tollen Idee.

    Aloha Astrid Rose

  7. Jedem steht es frei, mit seinem Eigentum und seinen Rechten so umzugehen, wie es ihm fefällt.
    Auch den Verlagen.

    Die Lösung besteht darin, mehr Selfpublishing-Bücher zu betrachten, deren Autoren der Idee aufgeschlossener gegenüber stehen.

    • Florian

      Ich möchte mal sehen wie die Selfpublisher mit solchen Anfragen umgehen.

      Da wird es für den Anfragenden doch nicht einfacher! Jeder Autor hat doch seine komplett eigenen Vorstellungen …

  8. Naja, der Artikel macht es sich ein bisschen einfach. Beispiel:

    Die Verlags-Kernkompetenzen (wie Vorfinanzierung, Selektion und Qualitätssicherung, Vertrieb) haben sie allesamt eingebüßt oder wurden durch das Internet obsolet (Stichwort “Crowdfunding”, “Self-Publishing”, “Amazon”).Auch die Buchproduktion erfolgt heute mehr und mehr komplett über Dienstleister: freie Lektoren, Grafiker/Layouter, externes Korrektorat – wenn überhaupt!

    Dass es externe Dienstleister wie Lektoren und Layouter gibt, bedeutet ja nicht zwingend, dass ein Verlag damit seine „Kernkompetenz“ abgegeben hat. Eher im Gegenteil. Einen Selfpublisher dagegen zu setzen, ist Unsinn, weil der in der Regel sein eigener Lektor, Graphiker, Layouter usw. ist. Verlage habe also sehr wohl etwas für den „Text“ getan.

    Dass Verlage damit nur noch rechte-Verwalter sind und keine weiter Funktion innehaben, ist also falsch. Selbst wenn es so wäre, kann man das Verhalten der Verlage zwar immer noch kritisieren, aber eben nicht dahingehend, dass „man“ doch eigentlich gar nichts getan habe. Im Einzelfall kann das ein Außenstehender nämlich gar nicht beurteilen. Wenn Sie als Sachbuchautor von Ihrem Verlag kein Marketing wahrgenommen haben, sollten Sie den Verlag wechseln. Pauschal zu schreiben, es gebe keine Werbemaßnahmen von Verlagen mehr, ist sicherlich so nicht richtig. Natürlich entscheiden sich Verlage immer für bestimmte Titel, die sie in den Fokus rücken; die anderen laufen dann so mit.

    Ich kann zunächst nichts Ehrenrühriges daran entdecken, dass man von Verlagsseite versucht, die Lesung irgendwie einzuschränken. Im Einzelfall gibt es ja vielleicht schon ähnliche Projekte, an denen sich der Verlag beteiligt hat? („Zehn Seiten“ bspw.) Wissen Sie das so genau? Dass Verlage Vorbehalte beim Vorlesen ganzer Kapitel haben können, kann ich nachvollziehen. Es ist eben keine ästhetische Auseinandersetzung mit dem Buch wie beispielsweise eine Kritik. Hier kommt es in der Regel nicht zu Problemen, da Zitate durch das Zitatrecht gedeckt sind.

    • Ich kann Ihrer Argumentation leider nicht ganz folgen. Angenommen, alle „klassischen“ Verlagstätigkeiten würden „outgesourct“, dann hat der Verlag doch am Text selbst tatsächlich nichts mehr gemacht. Er hat lediglich Dienstleister koordiniert, was ein Selfpublisher eben genauso gut tun kann.

      Dass Verlage nur noch Rechte verwalten, ist zugegebenermaßen etwas überspitzt formuliert, und im Einzelfall – etwa bei Kleinverlagen oder bei Besteller-Buchprojekten – vermutlich nicht immer korrekt. Mir ging es um die Tendenz, verlagsseitig nichts weiter zu tun außer einzuschränken.

  9. Pingback: "Einen Bücherpodcast machen ist ja in Ordnung, aber bitte nur ohne Vorlesen… | Die wunderbare Welt von Isotopp

  10. Wäre es nicht möglich, dich auf die kostenlos angebotenen Leseproben zu beschränken? Oder bräuchtest du selbst dafür eine zusätzliche Genehmigung?

    Unabhängig davon, finde ich es ziemlich dämlich von den Verlagen, nicht schon vorausschauend klare Richtlinien für solche Fälle zu setzen und zu veröffentlichen, damit Leute wie du einfach direkt loslegen können, anstatt erstmal ewig mit den Verlagen kommunizieren zu müssen.
    Manchmal hab ich das Gefühl an den Verantwortlichen in der Unterhaltungsbranche ist die ganze Internetgeschichte komplett vorbeigegangen… *facepalm*

    • Vermutlich bräuchte man selbst für die Leseproben eine Genehmigung, weil man ja deren Zweck (im stillen Kämmerlein bei Kerzenschein für sich schmökern) änderte zu „für alle öffentlich vortragen“. Wieder einmal ein solcher Zweifelsfall, den vermutlich jeder Verlag individuell bewerten würde und damit für mich ein weiterer Grund, davon besser die Finger zu lassen.

    • Florian

      „Klare Richtlinien“ sind ein bisschen schwierig festzulegen, es will ja doch jeder Anfragende als Einzelfall behandelt werden und seine besonderen Bedürfnisse berücksichtigt sehen.

      Auf Verlage wirkt so eine Anfrage so :
      „Ich bin Blogger, möchte selbstverständlich als superwichtig behandelt werden, habe aber ein bestenfalls vierstelliges Publikum.“
      „Ich sehe mich als nicht-kommerziell, verdiene aber an Affiliate Links.“
      „Ich will Ihren Content nach meinen Vorstellungen selbst bearbeiten und unbegrenzt verwenden, ohne dass ich mich Ihre Einschränkungen interessieren.“

      Die Richtlinie die da bei vielen Verlagen greift ist die „OK; der darf das, aber mit Einschränkungen.“ Wenn man Geben und Nehmen will, muss man einfach auch die Regeln des Gegenübers akzeptieren.

      • Lieber Florian, bitte verdrehe mir nicht die Worte im Mund. Von “Ich will Ihren Content nach meinen Vorstellungen selbst bearbeiten und unbegrenzt verwenden, ohne dass ich mich Ihre Einschränkungen interessieren” war nie die Rede.

        1) Ich bearbeite den „Content“ nicht, sondern trenne in meinen Beiträgen klar zwischen Zitat und Besprechung.
        2) Ich will die Inhalte nicht unbegrenzt verwenden. Ganz im Gegenteil, ich wollte immer unter 15 Minuten bleiben, davon vielleicht 7–10 Lesung. Allerdings möchte ich selbst bestimmen, was ich vorlesen möchte, das stimmt.
        3) Ich habe immer alle Einschränkungen seitens der Verlage berücksichtigt. Nur wenn es mir dann keinen Spaß mehr macht, braucht sich auch keiner zu wundern. Und niemand kann mich zwingen, weiterzumachen. That’s all.

  11. Florian

    „Das gesamte Projekt ist nicht-kommerziell, abgesehen von vereinzelten Affiliate-Links zu Amazon.“ Also ist es eben doch kommerziell.

    Ganz schön selbstbewusst, von allen Verlagen und Autoren zu verlangen, dass sie sich an IHRE Vorgaben und Wünsche bezüglich Content-Freigabe zu halten haben und selbstverständlich alle Inhalte kostenfrei und sofort zur Verfügung stellen sollen.

    • Lieber Florian, ich „verlange“ gar nichts von den Verlagen. Ich habe höflich gefragt und nicht immer die Antwort erhalten, die ich mir gewünscht hätte. Das ist alles. Und jetzt habe ich die Entscheidung getroffen, diese Freizeitbeschäftigung so nicht mehr weiter zu betreiben, weil mir dieses Ping-Pong keinen Spaß macht.

      Die paar Affiliate-Links sollen lediglich dazu dienen, die Betriebskosten für die Website zu decken (ganz zu schweigen von meinem Zeitaufwand). Davon bin ich derzeit noch weit entfernt. Und weder das noch der Einsatz von Flattr halte ich für verwerflich. Ein kommerzieller Betrieb (mit Gewinnabsicht!) ist mein Blog/Podcast aber ganz bestimmt nicht!

      Im Gegenteil: Mir ist wichtig, immer klar zu kommunizieren, welche Links Affiliate-Links sind und woher ggf. das Rezensionsexemplar für die Podcast-Folge kommt. Irgendwelche „Sponsored Posts“ o.ä. gibt es bei mir nicht und wird es – trotz vermehrter Angebote – nicht geben.

  12. Hallo Martin,

    kann ich mir schon gut vorstellen, was Du da erlebt hast. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, als Auszüge aus einem Songtext in meinem Buch zitieren wollte. Es herrscht bei den Verlagen einfach noch die Angst vor, dieses böse Internet würde ihnen etwas wegnehmen. Wenn sie sich nicht bewegen, kann das auch geschehen. Dabei könnten sie mit kreativen Ideen ganz neue Geschäftsfelder entwickeln. Erinnert mich an die Softwarebranche Anfang der Neunziger, als alle Welt mit Kopierschutzmechanismen rumexperimentierte. Da kräht heute kein Hahn mehr nach. Wird bei Büchern sicher auch so kommen, aber die Verlage brauchen wohl noch etwas Zeit.
    Die Idee, Self-Publisher vorzustellen, finde ich als eine von ihnen naturgemäß gut.
    Herzlichen Gruß,
    Vera

  13. Jeeves

    Gregor Keuschnig hat Recht. Ich würde es sogar noch etwas „schärfer“ formulieren: Der Autor hier obe möchte (bestimmte) Rechte von Verlagen haben und die – als Inhaber dieser Rechte – sagen: nein, die bekommen sie nicht. Sie werden ihre vielfältigen Gründe haben. Rechte gibt man nicht an irgend jemand einfach ab. Schon gar nicht ohne Bezahlung.
    Disclosure: Bin Musikverleger (und was ich alles für naive Anfragen bekomme, geht über keine Kuhhaut)

    • Nun, kein Verlag hat pauschal „Nein“ zu mir gesagt. Offenbar waren sie also durchaus an Berichterstattung interessiert, nur eben mit zig Einschränkungen. Und wenn mir deren Auflagen nicht passen, lasse ich eben diese Berichterstattung sein.

      Im Übrigen finde ich es ein gutes Zeichen, wenn Sie Anfragen (mögen sie auch noch so naiv sein) bekommen. Immerhin zeigt das doch, dass die meisten Leute aus dem Internet anständig sind, und wie ich vorher fragen, statt es sich mit der vielbeschworenen „Gratismentalität“ einfach zu nehmen.

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  15. Schade um Ihr Projekt. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen. Ich vermute, Sie haben es bei den Verlagen vor allem mit Verunsicherung und weniger mit Blockade zu tun. Gerade PR als auch das Lektorat möchte ja etwas für „seine“ Bücher und Autoren tun. Schwieriger wird es bei Cpoyright-Fragen. Ich kämpfte bspw. lange alleine gegen den Verkauf eines meiner Ratgeber als „Shortbook“ ohne jegliche Tantiemenzahlung an Verlag oder mich als Autor. Da war dem Rechteinhaber der Aufwand zu hoch, seine (und meine Rechte durchzusetzen). Leider hält ein Verlag in der Regel eben alle Rechte, auch jene, um die er sich nicht so kümmert: Audio, Film, etc. Aber ein Tipp für spannende Bücher im Selbstverlag: hier haben sich Self Publisher zusammen getan http://www.qindie.de/ MfG

    • Vielen Dank für alle Kommentare, besonders für diesen! Ja, „Verunsicherung“ bei den Verlagen ist genau der richtige Ausdruck, gerade wenn es ums Internet geht. Deshalb plädiere ich dafür, diese ganzen „Total Buy-out“-Verträge als sittenwidrig einzustufen, insbesondere wenn der Verlag nur mit den Druckrechten überhaupt etwas anfängt. Der Autor ist nämlich meistens der Dumme, weil er plötzlich nichts mehr mit seinem eigenen Werk tun darf. Vielleicht schreibe ich dazu demnächst einmal einen Folgebeitrag.

  16. Matthias Ulmer

    Vermutlich ist das alles überhaupt nicht so spannend oder bezeichnend oder enttäuschend, wie es klingt, sondern einfach nur die Realität. Sie haben in Verlagen etwas angefragt, was nicht ganz trivial ist. Die Verwendung von 10 oder 20 Seiten ist in der Regel im Verlagsvertrag mit dem Autor unter Verwendung von kleinen Teilen des Werkes zu Werbezwecken geregelt. Das gilt aber nicht für Lesungen. Denn Lesungen sind ein Nebenrecht. Und dann muss geklärt werden, ob es sich um eine Lesung handelt, eine öffentliche oder eine nicht öffentliche, und ob es sich durch die Verbreitung im Internet um eine Sendung und die Aufführungsrechte dafür handelt. Dann muss der Verlag klären, ob er dazu die Rechte hat oder ob er dieses Nebenrecht überhaupt nicht hat. Bei Belletristik etwa oder bei internationalen Lizenzausgaben macht niemand Full Pay Out Verträge und die Honorare sind gesalzen, insbesondere wenn es um Nebenrechte geht, da betragen sie 50% und mehr. Sie haben also in den Verlagen mit Mitarbeiter gesprochen, die erst einmal kapieren müssen, was Sie wollen, dann klären, was das juristisch überhaupt bedeutet, ob das vertraglich überhaupt geht, ob der Autor bzw. Lizenzgeber zustimmt (ist oft vorbehaltlich Zustimmung) und ob es dann noch sich nicht mit bereits verkauften Lizenzen überschneidet, wenn etwa die Rechte für ein Hörbuch schon verkauft sind, dann darf möglicherweise der Verlag darüber nicht mehr entscheiden.
    Es wäre schön gewesen, man hätte Ihnen am Telefon erklärt, wie knifflig der Wunsch ist, dann hätten Sie sich nicht ärgern müssen und hätten auch über „die Verlage“ nicht ein Bild abgegeben, das von der Realität so weit entfernt ist, wie das Dschungelcamp vom wahren Leben.

    • Welche Querelen ich mit meinen Anfragen verlagsintern ausgelöst habe, wurde mir durchaus während meiner vielen Telefonate etc. bewusst. Kern meiner These ist doch aber, dass eben dieses hektische Rascheln, diese von verqueren „Sachzwängen“ geprägte Bürokratie nicht mehr zeitgemäß ist und kaum zur digitalen Realität passt. Solche oder vergleichbare Anfragen werden zunehmen und ich konnte nicht sehen, dass einige Verlage (nicht alle!) eine zeitgemäße Haltung einnehmen konnten. Und weil offenbar nicht einmal eine Art Problembewusstsein existiert, lasse ich solche Anfragen in Zukunft einfach sein.

      • Florian

        Da hat Matthias Ulmer schon einen guten Punkt getroffen. Es gibt nunmal im deutschen Urheberrecht Dutzende von Rechten, die ein Autor / Musiker / Komponist / Fotograf / Maler an seinem Werk hält. Auch du hältst diese übrigens an jedem Text, den du auf deiner Webseite schreibst. Dass es gesonderte Rechte für die Lesung, Vertonung und Bearbeitung von kreativen Werken gibt, haben sich nicht die Verlage mit ihrer Bürokratie ausgesucht, sondern das wurde vom Gesetzgeber festgelegt.

        Um frei mit solchen Rechten hantieren zu können, müssen Verlagsverträge sehr, sehr umfassend sein. „Total Buy-out“, so schrecklich das klingt, ist eben darum so populär, weil dann Rechtesicherheit auf Seiten des Verlags herrscht – der Verlag kann mit Nebenrechten umgehen wie er will und muss eben nicht bei jedem Verwertungsinteresse erst mit dem Autor verhandeln.

        Als Autor kann man leicht sagen „mach mal“, denn dem Autor gehören ja per se alle Rechte. Manche Autoren sind da etwas naiv, welche Rechte sie den Verlagen zur Verwertung übertragen.

        Ein Verlag, der nach dem Prinzip „mach mal“ handelt, ohne zuerst zu prüfen, welche Rechte ihm der Autor in welchem Umfang übertragen hat, hat keine Rechtssicherheit und kann sich großen Ärger einhandeln. Ein Verlag kann eben nicht ohne „Bürokratie“ mal eben Verwendungsgenehmigungen erteilen.

        Im Übrigen soll an dieser Stelle für das Projekt http://www.mvb-rightslink.com/ MVB RightsLink geworben werden, über das man von vielen Verlagen rechtssicher Inhalte lizenzieren kann.

        • Vielen Dank für den Link zum MVB-Projekt!

          Dass die Verlage am aktuellen Rechtedilemma „unschuldig“ sind, glaube ich übrigens nicht. Immerhin waren sie es, die den Gesetzgeber in jahrzehntelanger Lobbyarbeit davon überzeugt haben, dass alles so sein muss, wie es ist. (Aktuelles Beispiel: Leistungsschmutzrecht).

          Ansonsten nochmals herzlichen Dank auch an dich für deine rege Diskussionsbeteiligung!

  17. Lieber Martin Häberle,

    Sie sind von den Verlagen enttäuscht. Ihren Versuch, die Genehmigung dafür zu bekommen, im Internet Aufmerksamkeit für Bücher zu erzeugen, haben Sie entnervt aufgegeben. Kann es aber vielleicht sein, dass Sie an die Falschen herangetreten sind? Wenn Sie möchten, stelle ich Ihnen sehr gerne unkompliziert Bücher von uns zur Verfügung. Falls Sie doch noch weitermachen wollen, melden Sie sich einfach. Wir hätten Ihnen da etwas anzubieten.

    Bei Ihrer enttäuschenden Erfahrung könnte es sein, dass Sie Verlage angefragt haben, die zu groß sind. Die haben das Problem, dass ihnen bei der Rechteverwertung enge Fesseln anliegen. Zudem haben die ihre eigenen Strategien, wie sie an den Markt herangehen und da passt möglicherweise solch ein Blog nicht hinein. Großen Verlagen ist unter Umständen nicht an Publicity durch einen Blog gelegen, den sie möglicherweise für zu klein an Bedeutung für ihre Verkaufszahlen halten. Anders sieht es aus bei kleinen Verlagen. Ohne solche Möglichkeiten wie z.B. die kostenlose Werbung durch einen Blog könnten sie kaum genügend Aufmerksamkeit erzeugen. Es kommt eben auf den Blickwinkel an, da spielt die Größe schon eine Rolle.

    Natürlich kann es auch sein, dass Sie sich für Ihren Blog andere Bücher als die unseren vorgestellt haben. Passen Sie nicht in Ihr Konzept? Jedenfalls sind wir durchaus an einer Erwähnung in Ihrem Blog interessiert. Lassen Sie es uns wissen, falls Sie es sich anders überlegen.

    Herzliche Grüße
    Sonia Lauinger

  18. in der verlagswelt tut sich einiges, ich bin voll überzeugt, zum guten für die kleinen, verlage und autoren. auf die würde ich fokussieren. die großen, unflexiblen, dürfen gerne sterben gehn’…
    lg°sig
    p.s.: den „kleinen buchverlag“ kann ich nur empfehlen, die sind voll lieb! 😉

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